Autor:
Oliver Kleineidam
Veröffentlicht am:
19.02.2026

Inhaltsverzeichnis

Wenn der Körper Nahrung nicht mehr über den Magen-Darm-Trakt aufnehmen kann, gerät die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen in Gefahr. Genau hier setzt die parenterale Ernährung an: Nährstoffe werden direkt über die Blutbahn zugeführt und umgehen den Verdauungstrakt vollständig.Was zunächst nach Intensivmedizin klingt, ist heute für viele Patienten längst Alltag geworden – auch zu Hause. Dank moderner Infusionssysteme und professioneller Homecare-Betreuung können Menschen mit Kurzdarmsyndrom, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder nach schweren Operationen ein weitgehend normales Leben führen.In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie parenterale Ernährung funktioniert, wann sie zum Einsatz kommt und worauf Sie bei der häuslichen Versorgung achten sollten.

Was ist parenterale Ernährung?

Parenterale Ernährung, aus dem Griechischen para (neben) und enteron (Darm), bezeichnet die Zufuhr von Nährstoffen unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts. Die Nährlösung wird direkt in die Blutbahn infundiert, meist über einen zentralen Venenkatheter oder Portkatheter.

Wann wird sie eingesetzt?

Diese Form der Ernährung kommt zum Einsatz, wenn der Verdauungstrakt seine Funktion vorübergehend oder dauerhaft nicht erfüllen kann.

Die parenterale Ernährung kann dabei entweder die gesamte Nährstoffversorgung übernehmen (totale parenterale Ernährung, TPE) oder die orale bzw. enterale Ernährung ergänzen (partielle parenterale Ernährung).

  • Schwere Erkrankungen des Verdauungstrakts (z. B. Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom)
  • Tumorerkrankungen mit Ernährungsproblemen
  • Nach großen Opera!onen am Bauch
  • Wenn über längere Zeit keine ausreichende Nahrungsaufnahme möglich ist

Gut zu wissen: Bei confido Care betreuen wir bundesweit Patienten mit parenteraler Ernährung – von der Überleitung aus der Klinik bis zur langfristigen Versorgung zu Hause.

Woraus besteht eine parenterale Nährlösung?

Eine parenterale Nährlösung ist individuell auf den Bedarf des Patienten abgestimmt und enthält alle lebensnotwendigen Nährstoffe:

Bestandteil Funktion
Aminosäuren Bausteine für Körpereiweiß, wichtig für Muskelerhalt und Immunsystem
Glucose Hauptenergielieferant für Gehirn und Körperzellen
Fettemulsionen Energiereich, liefern essenzielle Fettsäuren
Elektrolyte Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium für Stoffwechsel und Nervenfunktion
Vitamine Wasser- und fettlösliche Vitamine für alle Körperfunktionen
Spurenelemente Zink, Selen, Kupfer, Eisen für Enzyme und Immunabwehr

Moderne Nährlösungen werden häufig als sogenannte Dreikammerbeutel geliefert. Die drei Kammern enthalten Aminosäuren, Glucose und Fette getrennt voneinander und werden erst kurz vor der Infusion durch Zusammendrücken vermischt.

Wann wird parenterale Ernährung eingesetzt?

Wann wird parenterale Ernährung eingesetzt?

Parenterale Ernährung ist immer dann notwendig, wenn der Verdauungstrakt nicht ausreichend funktioniert oder geschont werden muss. Typische Indikationen sind:

Erkrankung / Situation Warum parenterale Ernährung?
Kurzdarmsyndrom Nach Entfernung großer Darmabschnitte kann nicht genug Nahrung aufgenommen werden
Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Bei schweren Schüben zur Entlastung des entzündeten Darms
Tumorerkrankungen Bei Schluckstörungen, Darmverschluss oder therapiebedingter Mangelernährung
Nach großen Bauchoperationen Überbrückung bis der Darm wieder funktionsfähig ist
Schwere Schluckstörungen Wenn auch enterale Ernährung per Sonde nicht möglich ist
Chronisches Darmversagen Dauerhafte Versorgung bei irreversiblem Funktionsverlust

Wie wird parenterale Ernährung verabreicht?

Die Nährlösung muss über einen sicheren venösen Zugang infundiert werden. Da die Lösungen hochkonzentriert sind und kleinere Venen schädigen würden, erfolgt die Gabe über einen zentralen Venenkatheter.

Zugangswege für parenterale Ernährung:

Portkatheter: Ein unter der Haut implantiertes System mit direktem Zugang zu einer herznahen Vene. Ideal für langfristige Versorgung und häusliche Anwendung.

Hickman-Katheter: Ein getunnelter Katheter, der aus der Haut austritt. Wird bei sehr häufiger Nutzung eingesetzt.

PICC-Linie: Ein peripher eingeführter zentraler Katheter. Geeignet für mittelfristige Versorgung über Wochen bis Monate.


Der Infusionszeitraum wird individuell festgelegt. Viele Patienten erhalten ihre parenterale Ernährung über Nacht (zyklische Infusion), sodass sie tagsüber mobil und unabhängig sind.

Parenterale Ernährung zu Hause – So funktioniert Homecare

Was früher nur im Krankenhaus möglich war, ist heute dank professioneller Homecare-Versorgung auch zu Hause sicher durchführbar.

Die häusliche parenterale Ernährung (HPE) ermöglicht Patienten ein weitgehend normales Leben in gewohnter Umgebung.

Der Ablauf bei confido Care:

  • Überleitung aus der Klinik: Wir koordinieren die Entlassung und stellen sicher, dass alle Materialien rechtzeitig zu Hause sind.
  • Schulung: Patienten, Angehörige und ambulante Pflegedienste werden im Umgang mit der Infusion, dem Katheter und den Hygienevorschriften geschult.
  • Lieferung: Nährlösungen, Infusionszubehör und Verbrauchsmaterialien werden regelmäßig nach Hause geliefert.
  • Betreuung: Unser Team ist rund um die Uhr erreichbar für Fragen, Probleme oder Anpassungen der Therapie.
  • Kontrolle: Regelmäßige Laborkontrollen und Arztbesuche stellen sicher, dass die Ernährung optimal eingestellt ist.

Hygiene und Pflege – Worauf Sie achten müssen

Bei der parenteralen Ernährung ist strenge Hygiene unverzichtbar, um Infektionen zu vermeiden. Der Katheter stellt eine direkte Verbindung zur Blutbahn dar und erfordert sorgfältigen Umgang.

Wichtige Hygieneregeln:

  • Gründliche Händedesinfektion vor jedem Kontakt mit dem Katheter oder Infusionssystem.
  • Steriles Arbeiten beim An- und Abstecken der Infusion.
  • Regelmäßiger Verbandswechsel an der Katheteraustrittsstelle nach ärztlicher Vorgabe.
  • Kontrolle auf Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung oder Schmerzen.
  • Kühlkette einhalten bei der Lagerung der Nährlösungen.

Warnzeichen, bei denen Sie sofort Kontakt aufnehmen sollten:

  • Fieber oder Schüttelfrost während oder nach der Infusion
  • Rötung, Schwellung oder Eiter an der Katheterstelle
  • Schmerzen im Brust- oder Schulterbereich
  • Probleme beim Anschließen oder Durchlaufen der Infusion

Mögliche Komplikationen

Wie bei jeder medizinischen Therapie können auch bei der parenteralen Ernährung Komplikationen auftreten. Bei fachgerechter Durchführung sind diese jedoch selten:

Komplikation Ursache und Vorbeugung
Katheterinfektionen Strenge Hygiene beim Umgang mit dem Katheter minimiert das Risiko
Thrombosen Regelmäßige Spülung des Katheters, ggf. Heparinisierung
Stoffwechselentgleisungen Regelmäßige Laborkontrollen und Anpassung der Nährlösung
Leberbelastung Optimierte Zusammensetzung der Fette, zyklische statt kontinuierliche Gabe
Katheterdefekte Sorgfältiger Umgang, regelmäßige Kontrolle

Unser Tipp: Bei confido Care überwachen wir den Therapieverlauf engmaschig und passen die Behandlung bei Bedarf sofort an. So können wir Komplikationen frühzeitig erkennen und behandeln.

Fazit: Parenterale Ernährung ermöglicht Leben

Parenterale Ernährung ist weit mehr als eine medizinische Notlösung. Für viele Patienten ist sie der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben trotz schwerer Grunderkrankung.

Dank moderner Homecare-Konzepte kann die Versorgung sicher und komfortabel zu Hause erfolgen.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Parenterale Ernährung versorgt den Körper mit Nährstoffen über die Blutbahn.

Sie kommt zum Einsatz, wenn der Verdauungstrakt nicht ausreichend funktioniert.

Die Versorgung ist auch langfristig zu Hause möglich.

Strenge Hygiene ist entscheidend für eine komplikationsfreie Therapie.

Regelmäßige Kontrollen sichern den Therapieerfolg.

Sie haben Fragen zur parenteralen Ernährung oder benötigen Unterstützung bei der häuslichen Versorgung?

Das confido Care Team steht Ihnen bundesweit zur Seite – 24/7 erreichbar, persönlich und kompetent.

Weitere Artikel

Alle Artikel

APAT – Ambulante parenterale Antibiotikatherapie

Intravenöse Antibiotikabehandlung zu Hause – der Ratgeber für Patienten und Angehörige
Zum Artikel

Intravenöse Schmerztherapie – Schnelle und gezielte Schmerzlinderung

Der Ratgeber zur i.v.-Schmerztherapie für Patienten, Angehörige und Pflegende
Zum Artikel

BIA-Messung – Warum Körperzusammensetzung wichtiger ist als das Gewicht

Der praktische Ratgeber zur Bioelektrischen Impedanzanalyse für Patienten und Angehörige
Zum Artikel

Parenterale Ernährung – Wenn Essen nicht mehr möglich ist

Der umfassende Ratgeber zur intravenösen Ernährung für Patienten und pflegende Angehörige
Zum Artikel
Alle Artikel